Mittwoch, 23. Juni 2010

Tag 44: Skarsvåg - Oldersfjord, 119 km

Die Nacht über hatte es heftig von Süden her gestürmt und der Regen prasselte nur so auf das Dach unserer Hütte. Mir wurde Angst und Bang, wenn ich an die heutige Etappe dachte. Am Morgen hatte sich das Wetter aber wieder etwas beruhigt.

Wir begannen den Tag mit einer kleinen Wanderung zum Felsen Kirkeporten, um dort einen Cache zu finden. Der Weg war mit 15 Minuten je Richtung angegeben, aber wir haben wohl etwas länger gebraucht. Für Dörte war es gerade die richtige Dosis Wandern: Ein paar Flüche wie "Bin ich eine Gemse oder was?" oder "Sch...., schon wieder in die Rentier-K.... getreten!" kamen ihr zwar schon über die Lippen, aber sie war hinterher mit etwas Shopping im Julehuset schnell zu beruhigen. Und eigentlich hat es ihr wohl auch etwas Spaß gemacht.
Die Etappe heute war lang, aber ich musste ja in einen Ort, in dem das Fußballspiel heute abend wenigstens empfangen werden kann. Das Wetter war durchwachsen und ich hatte vor allem mit Gegenwind zu kämpfen. Die 5 Tunnel kannte ich ja schon, diesmal war der letzte Tunnel von 3 Kilometer Länge am aufregendsten: Auf einem Teilstück von 500 Metern war die Beleuchtung ausgefallen und ich war einzig und allein auf meine Stirnlampe und meinen Fahrradscheinwerfer angewiesen.

Wir sind hier schon deutlich südlicher als gestern, es gibt hier schon wieder Büsche!

Dienstag, 22. Juni 2010

Tag 43: Skarsvåg, Wanderung zum Knivskjellodden

Gestern abend sind Dörte und ich in das Hotel in Skipsfjorden gefahren und haben dort meinen Mathelehrer Wolfgang Nitzer und seine Frau getroffen. Die beiden hatten schon arrangiert, dass wir mit der Busgesellschaft noch einmal hoch zum Nordkap fahren konnten. Zuerst einmal haben wir aber beim Abendessen über Polarreisen, Camping-Erfahrungen und alte Zeiten geklönt.
Oben am Nordkap war das Wetter um 22 Uhr richtig mild (trocken, 11 Grad, kein Wind), aber die Mitternachtssonne hat sich trotzdem nicht gezeigt. Diesmal haben wir auch den Panoramafilm angesehen - sehr schön, weil die Aufnahmen nur bei gutem Wetter gemacht wurden.
Kurz nach Mitternacht fuhr der Bus zurück und irgendwann nach 1 Uhr haben wir uns von Nitzers verabschiedet. Gut, dass wir ausschlafen können, denn so eine Busreisegruppe wird schon um 7:15 Uhr geweckt!

Heute bin ich zum nördlichsten Punkt Knivskjellodden gewandert. 9 Kilometer hin und 9 Kilometer zurück hört sich nicht viel an, aber das Gelände ist sehr anstrengend und jeder Schritt muss wohl gesetzt sein, damit der Fuß nicht im Geröll umknickt. Am Ende hat man zur Abwechslung abschüssigen blanken und nassen Fels, auf dem man leicht ausrutschen kann.
Man bekommt einen Blick für die Details, z. B. die unterschiedlichen Flechtenarten. Eine Art blühte sogar!
Das Wetter war ganz annehmbar und so konnte ich einen Blick von Norden auf das Nordkap werfen.

Montag, 21. Juni 2010

Tag 42: Skarsvåg - Nordkap - Skarsvåg, 30 km

Ja, heute habe ich den ersten Teil der Reise erfolgreich abgeschlossen und zusammen mit Dörte das Nordkap erreicht. Die ganze Nacht hatte es geregnet, aber als ich losfuhr, war es trocken und ich habe nur ein paar kleine Nieselschauer abbekommen. Auf dem letzten Stück geht es noch einmal gehörig rauf und runter, aber heute war es ja ein kurzer Weg.
Zunächst haben wir natürlich die obligatorischen Fotos geschossen, von denen eines sogar im Intranet meines Arbeitgebers mit einem Gruß an die Kollegen veröffentlicht wurde. Übrigens mit dem Titel "Sommeranfang", den wir bei 3 Grad und Windstärke 6 noch gar nicht so richtig spüren.
Hier ein bisschen Statistik: 42 Tage, 40 Etappen und 3970 Kilometer! Das ist ein Anlass, auch einmal alle Leser dieses Blogs aus dem hohen Norden zu grüßen! Danke für die vielen guten Wünsche, die uns begleiten!

Am Nordkap selbst gibt es die Weltkugel, das Kinder-der-Erde-Denkmal und die Nordkap-Hallen. Die Hallen sind zum größten Teil unterirdisch und haben vor allem Platz für Souvenirläden. Ein Zertifikat und einen Autoaufkleber für uns und ein paar Geschenke haben wir dort gekauft. Der Zugang zum Nordkap kostet übrigens Eintritt und dieser berechtigt uns, innerhalb von 48 Stunden noch einmal wieder herzukommen.
Mit dem Wetter haben wir Glück gehabt: Kein Nebel und sogar ein wenig Sonne. Dafür aber bitterkalt! Wer hier die Mitternachtssonne sehen will, der braucht aber noch viel mehr Glück: Wir sind jetzt 10 Tage nördlich des Polarkreises und haben sie erst einmal richtig gesehen. Und das bei durchweg eher gutem Wetter, während am Nordkap dauernd Regen angesagt ist.
Auf der Rückfahrt konnte ich einem Schweizer Fahrradfahrer mit Flickzeug aushelfen und ihn dabei über meine weitere Reiseroute ausfragen. Hinter der finnischen Grenze soll es noch einmal richtig bergig werden!

Am Nachmittag haben wir die Eisbar in Honningsvåg besucht, was uns sehr viel Spaß gemacht hat. Alles ist aus natürlichem Eis gestaltet, das im Winter aus den Seen der Insel geschnitten wird.
Und jetzt geht es zu dem Treffen mit meinem Mathelehrer.

Sonntag, 20. Juni 2010

Tag 41: Repvåg - Skarsvåg, 83 km

Das Nordkap ist in Sichtweite und nur noch 7 Kilometer Luftlinie entfernt!

Aber der Reihe nach: Ich bin heute von Repvåg bis Honningsvåg zusammen mit Jörg und André gefahren. Dort trennten sich unsere Wege, denn sie müssen etwas eiliger zum Nordkap, weil morgen früh bereits ihr Schiff Richtung Hammerfest ablegt. Wir wünschen Ihnen eine gute Rückreise per Fahrrad und werden die Operation Nordkap im Internet weiter verfolgen.
Auf dem Weg hatten wir leichten Nieselregen von der Art, dass man am Ende doch ganz nass ist. In den 3 Tunneln war es natürlich trocken, aber dafür auch sehr kalt. Der Nordkap-Tunnel mit 7 Kilometer Länge, Gefälle und Steigung von jeweils 9% und einer Tiefe von 212 Metern unter dem Meer war der spektakulärste. Und natürlich verdammt anstrengend! Wir haben nur etwas mehr als eine halbe Stunde gebraucht, das war schneller, als ich es erwartet hatte.
In Honningsvåg wartete Dörte auf mich und war von dem Hafenstädtchen (es ist übrigens angeblich die nördlichste Stadt der Welt) hellauf begeistert. Im Hafen lag ein Schiff der Hurtigruten, das wir sogar besichtigen konnten. Weiter draußen in der Bucht lag die Queen Mary 2 und zwei weitere Kreuzfahrtschiffe legten an, als wir zu Mittag aßen.
Auf dem Sonnendeck eines Schiffes fand wohl Public Viewing des WM-Spiels statt. Jedenfalls konnten wir von der Mole aus die Leinwand sehen. Ob bei dem Regen wohl überhaupt jemand auf dem Sonnendeck war?
Als ich dann weiterfuhr nach Skarsvåg, setzte ein richtig kräftiger Landregen ein. Und es ging noch einmal steil nach oben auf ca. 250 Meter Höhe, das hat mich ganz schön geschlaucht.
Diesen Zeltplatz hatten wir uns ausgesucht, damit er möglichst nah an dem Hotel liegt, in dem morgen mein Mathelehrer aus der Schulzeit auf seiner Busreise übernachtet. Auf dieses Treffen habe ich mich schon lange gefreut. Nur ein Hotel ist hier weit und breit nicht zu sehen, die Norweger haben wieder einmal falsche Koordinaten in die Google-Maps-Ansicht eingestellt. Macht nichts, wir werden morgen mit dem Auto zum Treffen fahren!

Wir werden hier 3 Nächte bleiben und wollen das Nordkap, das Weihnachtshaus und die Eisbar in Honningsvåg besuchen. Außerdem ist eine Tageswanderung zum wirklich nördlichsten Punkt geplant. Was wir wann machen, werden wir spontan nach dem Wetter entscheiden. Gesehen habe ich das Nordkap wenigstens schon einmal!

Samstag, 19. Juni 2010

Tag 40: Skaidi - Repvåg, 71 km

Jörg und André sind auch in unserem Luxushotel abgestiegen und waren gestern so früh gestartet, dass sie das Fußballspiel hätten sehen können. Wenn es denn in einem Kanal gesendet worden wäre, den man hier empfangen kann... Immerhin konnten wir gemeinsam das Abendspiel verfolgen und dabei ein paar Bilder austauschen. Das Bild, auf dem ich die Rentiere jage, hat Dörte besonders gut gefallen (danke, André).
Von Skaidi aus ging es noch einmal über eine kleine Hochebene zum Olderfjord. Ab dann ist die Straße eine Küstenstraße, wie sie sein soll: Steile Klippen, Fischerhütten, Gestelle zum Herstellen von Stockfisch, große Buchten und auch einige Tunnel.
Der bisher längste Tunnel war 3 km lang und meine Kombination aus Warnweste und Stirnlampe hat gut funktioniert. Seit Alta fahre ich mit Warnweste, aber der Verkehr ist so gering, dass das eigentlich nicht notwendig ist. In den Tunneln ist es aber sicher angebracht, vor allem morgen beim Nordkap-Tunnel.

Wir sind hier übrigens schon in der Kommune Nordkapp und haben eine Hütte quasi auf dem letzten Campingplatz auf dem Festland.

Freitag, 18. Juni 2010

Tag 39: Alta - Skaidi, 76 km

Bei der Planung für die heutigen Cachesuche ist mir gestern Abend aufgefallen, dass nur ein einziger Cache auf dem Weg lag. Der nächste wäre über 30 km Luftlinie entfernt gewesen. Das hat mich veranlasst, im Internet noch einmal nach Caches in Alta zu suchen. Die beiden nächstgelegenen Caches waren neu ( 3 Tage alt), noch nie gefunden worden und nur 6 bzw. 7 Kilometer entfernt. Also bin ich nach Mitternacht noch einmal mit dem Rad losgefahren und sah mich schon als deutschen Rekordhalter für den nördlichsten "First to Find". Leider habe ich den ersten Cache nicht entdecken können und zum zweiten Cache keinen legalen Zugang gefunden. Durch ein Loch im Zaun zu kriechen und die Rollbahn des Flugplatzes zu queren, erschien mir dann doch zu gefährlich. Ich vermute ja, dass sich der Cache-Leger beim Koordinatensystem vertan hat.

Da stand ich nun um 0:45 Uhr bei leichtem Nieselregen schon wieder fast im Zentrum von Alta mit leeren Händen. Konsequent bin ich dann noch weiter nach Alta reingefahren und habe dort einen Cache gefunden. So wurde aus einer geplanten Extratour von 15 Kilometern eine von 30 Kilometern.

Dafür habe ich lange geschlafen und bin erst gegen Mittag auf die Etappe gegangen. Das WM-Spiel konnte ich nicht im Radio verfolgen ("Sendersuchlauf fehlgeschlagen, Signal zu schwach"), aber die SMS-Updates von zuhause haben funktioniert.

Aufgrund der Berichte von den Motorradfahrern auf dem Zeltplatz hatte ich großen Respekt vor dieser Etappe, aber sie war eher leicht. Drei bis vier längere Anstiege (insgesamt ca. 600 Höhenmeter) waren es schon, aber die Straße verlief auch lange Zeit ziemlich eben. Oben war eine Hochebene auf ca. 400 m Höhe, dort gab es nur noch Moos als Vegetation. Man konnte meilenweit gucken und dabei gegen den Wind ankämpfen.
Einmal habe ich ein Wettrennen mit einer Rentierherde gewonnen, weil es bergab ging. Zum Glück war eine Leitplanke dazwischen, sonst wäre mir das zu gefährlich gewesen. Diese Tiere kommen schon auf Geschwindigkeiten von 30-35 km/h.

Hier in Skaidi genießen wir puren Luxus: Dörte hat ein Zimmer in einem Wellness-Hotel genommen. Sie hatte Mitleid mit mir, weil sie auf der Hochebene in strömenden Regen geraten war. Ich dagegen hatte Glück und bin trocken durchgekommen.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Tag 38: Solovomi - Alta, 68 km

Heute meldet sich wieder einmal Dörte zu Wort:

Selbsterkenntnis: Ich liebe Duschen! Eine heiße Dusche für mich und vor allem eine Dusche (egal welche Temperatur) für Jan, wenn er 100 km Rad gefahren ist. Bis jetzt haben wir auch immer eine gefunden.

Heute bin ich wieder mit dem Auto durch die Finnmark gezuckelt. Ich weiß nicht, wie die Norweger das machen, die hier mit 100 km/h langfahren. Ich muss mich echt auf die Ränder der Straße konzentrieren, um die Rentiere rechtzeitig zu sehen, wenn diese wieder einmal beschließen, "King of the Road" zu sein.
Ich habe nicht einmal das Hörbuch nochmal gehört, das derzeit mein Lieblings-Hörbuch ist: "Nachtwächters Stundenbuch". Danke, Elke! Wunderbar absurd!

Ich bin einem Nebenfluss des Altaflusses gefolgt und eine phantastische Schlucht runtergefahren, um am Ende der Schlucht auch noch mit Jan zu cachen. Die Frage geht diesmal an die Biologen: Wie kalt ist das Wasser, wenn meine Füße nach 8 Sekunden blau werden?
Dann Weiterfahrt nach Alta. Hier erlebt man Norwegen, wie man Norwegen erleben soll: Fjorde, Berge, Schnee, Sonne!
Was bleibt für mich zu ergänzen:
Heute bin ich ein Stück mit Jörg und André zusammen gefahren - den Windschatten habe ich sehr genossen.

Die Schlucht bot uns eine wirklich tolle, kilometerlange Abfahrt.

Die beiden habe ich bei der Frühstückspause verlassen, weil Dörte ein paar Kilometer weiter zum Cachen wartete. Heute scheinen sie einen anderen Zeltplatz genommen zu haben (es gibt viele in Alta), aber morgen werde ich sie sicher wieder treffen.
Wir sind hier wirklich von Bergen umgeben, d. h. morgen wird es sicher auch steile und/oder lange Anstiege geben. Wenn das Wetter so schön sonnig bleibt, wird das aber kein Problem sein.