Mittwoch, 30. Juni 2010

Tag 51: Peurasuvanto - Sodankylä, 53 km

Heute war eine kurze und flache Etappe an der Reihe, die uns in die erste größere finnische Stadt führte. Das Wetter war zunächst nieselig bei etwas über 10 Grad, aber am Ende hat mich ein Regenguss doch noch voll erwischt. Zu fotografieren gab es eigentlich nichts, weil alles grau in grau aussah.

Die finnischen Mücken sind übrigens abgehärtet, sie verschwinden auch bei Regen nicht. Auf dem Bild sieht man Dörte bei der Tätigkeit, die sie vor jedem Losfahren erledigen muss: Mit dem "Mördertuch" auf Mückenjagd gehen.
Wir haben hier wieder eine Ferienwohnung und konnten heute mal einen ausgiebigen Mittagsschlaf halten.

Dienstag, 29. Juni 2010

Tag 50: Saariselkä - Peurasuvanto, 81 km

Heute Nacht brach die Wolkendecke kurz auf und gab uns den Blick auf die Mitternachtssonne frei. Da unsere Fenster nach Norden rausgingen, brauchten wir nicht einmal unsere Luxuswohnung zu verlassen.
Kurz hinter Saariselkä haben wir uns am Bischofsstein getroffen. Das ist ein Mahnmal über einen russischen Partisanenanschlag aus dem Jahre 1943, bei dem der frisch geweihte Bischof von Oulu ums Leben kam. Interessant waren dort auch die Informationen zum Straßenbau in Lappland: Die erste Straße nach Ivalo wurde 1913 gebaut und für die 300 Kilometer von Rovaniemi brauchte man damals zwei Tage. Die heutige Schnellstraße entstand erst 1976.

30 Kilometer weiter in Tankavaara hat Dörte sich im Goldwaschen versucht.
Hier steht auch ein Museum über das Goldwaschen (durchaus informativ und sehenswert) und eine in Fassaden wiederaufgebaute Goldgräberstadt (reiner Touristenkitsch). Dörte hat übrigens aus 2 Schaufeln Ufersand tatsächlich einige Mikrogramm Gold gewaschen. Aber ihren Beruf will sie deshalb noch nicht aufgeben ...
Das Wetter wurde zum Nachmittag hin richtig schön und man hatte tolle Blicke in die Landschaft.
Dörte hat wieder eine Hütte gemietet (diesmal mit eigenem WC!) und wartete davor im Sonnenschein auf mich. Passend zur Perry-Rhodan-Lektüre trug sie ihren neuen "Raumanzug", der sich als Mückenschutz sehr bewährte.
PS für die Faktenliebhaber: 13 Grad. Ein Gefühl von T-Shirt-Wetter, genauer: nordfinnischem T-Shirt-Wetter!

Montag, 28. Juni 2010

Tag 49: Inari - Saariselkä, 71 km

Mit dem Temperatursturz ist auch Dörtes Laune um 10 Grad gesunken, wie man leicht an ihrem Kommentar zum gestrigen Eintrag erkennen kann. In der Nacht ging die Temperatur auf 5 Grad zurück und heute mittag erreichte sie immerhin 11 Grad.

Aufmerksame Leser werden schon bemerkt haben, dass wir von der geplanten Route abgewichen sind. Ich habe bisher meine Serie, dass ich jeden Tag mindestens einen Geocache finde, aufrecht erhalten können. Auf der geplanten Route wäre jetzt eine Cache-freie Zone von fast 200 Kilometern gekommen. Die Änderung hat sich auch gleich gelohnt, denn der heutige Cache führte uns zu einer Bärenhöhle. Das ist ein riesiger Findling, in dem ein Gletscherabfluss eine Höhle geformt hat.
Im zugehörigen Souvenirladen hat Dörte Handschuhe und Ohrenwärmer gekauft und fühlte sich gleich besser. Wieso wirkt Shopping auf Frauen eigentlich wie Glückshormone?
(Anmerkung von Dörte: Nicht das Shoppen, sondern die Wärme der Handschuhe machte froh!)

Zum Mittagessen haben wir uns an der Abzweigung nach Murmansk getroffen. Dort war es auch wirklich so kalt, wie das klingt. Wir sind in der Tat nur ca. 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Wir übernachten heute in einem Ferienzentrum mitten in einem Waldgebiet auf ca. 400 Meter Höhe. Dörte hat dort ein prima Appartment organisiert.

Sonntag, 27. Juni 2010

Tag 48: Inari, Bootsausflug zur Insel Ukkonkivi

Heute haben wir es ruhig angehen lassen: Wir haben lange geschlafen (ohne dass uns das Mückennetz auf den Kopf gefallen ist) und dann ausgiebig in der Campingküche gefrühstückt. Draußen regnete es und es war nicht gerade das ideale Wetter für einen Ausflug auf den Inari-See. Wir wollten aber unbedingt die Insel, die im Film "Zugvögel - einmal nach Inari" vorkommt, mit eigenen Augen sehen.
Da es zum Glück nicht auch noch neblig war, hat sich der Ausflug doch gelohnt. Diese kleine Felseninsel ragt markant aus dem See hervor und wir hatten eine gute Aussicht. Außerdem konnte ich bei dem Wetter gut meinen neuen Hut einweihen.
Wir haben uns dann sehr beeilt, weil wir dachten, dass das Fußballspiel schon angefangen hätte. Dank der Zeitverschiebung begann es hier aber erst um 17 Uhr ...

Samstag, 26. Juni 2010

Tag 47: Karigasniemi - Inari, 101 km

Gestern Abend, als Dörte schon schlafen gegangen war (das viele Autofahren ist so anstrengend und macht müde!), habe ich mich an das große Lagerfeuer gesetzt. Am 25. und 26. Juni wird in Finnland mit Johannisfeuern der Mittsommer gefeiert. Erschreckenderweise mit Jägermeister!

Heute früh war es zu heiß und stickig im Auto und ich habe - wie sonst auch - die Seitentür aufgemacht. Heute kamen aber gleich Scharen von Mücken ins Auto, was Dörte zur Installation des mitgebrachten Mückennetzes veranlasst hat.
Das war gar nicht so einfach, denn wir mussten erst einmal die Dimensionen des Netzes ermitteln.
Mit etwas Improvisation hat Dörte aber ein wunderbares Mückennetzdach gezaubert. Hoffentlich fällt es uns diese Nacht nicht auf den Kopf!
Am Vormittag haben wir einen Spaziergang durch ein Naturschutzgebiet unternommen. Genau wie die Straße ging der Wanderweg dauernd rauf und runter. Er hat uns aber gut gefallen und einen Cache haben wir dort auch gefunden. Dörte bedauerte nur, dass wir nicht auf einer Furt einen reißenden Fluss überqueren mussten. Man hätte den Weg auch in eine Schlucht hinein weitergehen hönnen, das wären aber 62 km gewesen ...
Nach einem Drittel der Strecke haben wir zusammen zu Mittag gegessen. Das Restaurant war gleichzeitig Zeltplatzrezeption, Souvenir- und Outdoor-Laden. Dörte hat für uns "Oberkörperkondome" gegen Mücken gekauft. Die sehen aus wie Imkerjacken, allerdings mit einem Reißverschluss im Mundbereich, damit man auch mal einen Schluck aus der Bierdose nehmen kann. Den praktischen Einsatz haben wir noch nicht erprobt, deshalb gibt es noch kein Foto davon.

Wir werden jetzt zwei Nächte in Inari bleiben und wollen morgen eine Bootsfahrt auf den Inari-See machen.

Freitag, 25. Juni 2010

Tag 46: Skoganvarre - Karigasniemi, 68 km

Wenn die Berge nicht so hoch gewesen wären, dann hätten wir gestern eine prächtige Mitternachtssonne gehabt. Die Temperaturen sind richtig milde geworden: Heute morgen waren es 17 Grad beim Frühstück und beim Abendessen sind es jetzt 20 Grad. Was für ein Unterschied zum Nordkap!

Wir begannen den Tag mit einem Spaziergang durch ein ehemaliges deutsches Feldlazarett. Es war einmal eines der größten in Europa, bevor es 1944 beim Rückzug vollständig zerstört wurde. Heute sieht man nur noch Ruinen und alles das, was nicht brennen konnte: Bettgestelle, Gehwagen, Aluminiumkannen usw.

Wir haben sogar 2 alte LKW gesehen.

Der Zugang ist nur über eine lange und ziemlich wackelige Hängebrücke möglich. Das hat Dörte besonderen Spaß gemacht, während ich froh war, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

Der Weg hat kurz danach das Tal des Lachsflusses verlassen und ist in 2 Stufen bis auf eine Hochebene von ca. 350 Metern angestiegen. Hier sah es aus wie bei Kautokeino: Mooriger Boden, Birkensträucher, ein paar Seen, die Straße und sonst nichts. Dann ging es wieder hinab in ein Tal nach Karasjok. Hier haben wir unsere letzten norwegischen Kronen ausgegeben und Elchwurst und Fenalår gekauft. Fenalår ist geschmorte Lammkeule, aufgeschnitten in dünne Scheiben, gesalzen und windgetrocknet (musste ich erst nachlesen im Internet, hatte es vorher für Rentierschinken gehalten). Sehr lecker!

Wir sind jetzt auf einem Zeltplatz gleich hinter der finnischen Grenze. Leider ist das hier so abgelegen, dass mein DVBT-Empfänger keine Sender reinbekommt. Ich bin sogar zur Straße hochgegangen und habe dort einen Sendersuchlauf mit der Antenne auf dem Kopf durchgeführt: Nichts! Hoffentlich ist das morgen in Inari besser!

Donnerstag, 24. Juni 2010

Tag 45: Oldersfjord - Skoganvarre, 91 km

Heute früh habe ich den Hinterreifen gewechselt. Der in Schweden gekaufte Ersatzreifen aus chinesischer Produktion war nach ca. 2500 km völlig heruntergefahren und die Lauffläche fühlte sich bereits butterweich an. Ich habe auch einen neuen Schlauch genommen, weil ich inzwischen ungefähr alle 2 Tage nachpumpen musste. Der neue Reifen ist von Continental und macht einen ordentlichen Eindruck, in Tampere werde ich das Profil mal kritisch prüfen.

Heute gab es das, was wir die letzten Tage vermisst haben: Sonnenschein. Das Wetter ist richtig milde geworden (12 Grad, leichter Wind). So macht Radfahren Spaß! Auf der Strecke wurden wir zunächst aufgehalten, weil die Straße für eine halbe Stunde wegen Bauarbeiten gesperrt wurde. Dann habe ich ein älteres englisches Paar getroffen, das mit dem Fahrrad in die andere Richtung unterwegs war. Wir haben ein wenig gefachsimpelt und vor allem Informationen über die Strecke ausgetauscht.
Der Weg führte an der Küste entlang und die Landschaft am Porangerfjord war einfach fantastisch!
Dörte konnte nicht widerstehen, ihre Füße in der Barentsee zu baden. Sie überlegte noch, ob sie für das Foto den Badeanzug anziehen sollte, aber dann war es ihr dafür doch zu kalt.
Wie kalt es war, habe ich auf einem kurzen Video (4 MB) festgehalten.
Kurz vor Lakselv lief mir noch ein besonders hübsches Rentier vor die Linse.
In Lakselv konnten wir unser Mittagessen im Sonnenschein draußen einnehmen. Zwar im Mantel, aber das erste Gefühl von Sommer stellte sich ein. Weiter ging es das Tal des Lachsflusses hinauf bis an einen See, an dem unser Zeltplatz liegt. Hier ist es so schön warm, dass wir keine Hütte mehr brauchen und wieder im Auto schlafen. Und hier gibt es sogar wieder Bäume und Wald!