Mittwoch, 21. Juli 2010

Tag 72: Koskue - Ikaalinen, 112 km

Der Weg aus dem Radreiseführer war heute nicht so gut ausgeschildert und ich bin einmal in eine Sackgasse hineingefahren. Nach 2 km endete der Weg mitten im Wald an einem kleinen See und ich musste umkehren. Ich bin dann stattdessen ca. 4 Kilometer an der dreispurig ausgebauten Hauptstraße ohne Radweg entlang geradelt - das war nicht so schön. Zum Ausgleich gab es heute allerdings auch viele Sandwege durch eine schöne Seen-Landschaft.

Die Eiszeit hat sich hier besonders viel Mühe gegeben, die heftigen Bodenwellen alle genau quer zu meinem Weg auszurichten. So passen möglichst viele davon auf einen Kilometer! Ich war durch die Hügel und die Hitze ziemlich fertig, als ich auf dem Zeltplatz ankam, und habe erst einmal eine 1,5-Liter-Flasche Cola geleert. Danach war ich wieder fit!

Dienstag, 20. Juli 2010

Tag 71: Seinäjoki - Koskue, 91 km

Der Tag begann mit Regen in allen möglichen Formen: Nieselregen, Landregen, Platzregen, Regen wie aus einem zu stark aufgedrehten Duschstrahl. Ich habe das alles in kurzer Hose und ohne Regenzeug ertragen, denn dazu war es warm genug.

Gegen Mittag hörte der Regen auf und ich machte in Kurikka eine Pause, um etwas zu essen. Die sprachliche Kommunikation versagte wieder einmal völlig, aber mit "Kebab", "Chili normal" und "Cola light" konnte ich mich einigermaßen verständlich machen. Der Preis erschien mir mit 10 Euro etwas hoch und ich war gespannt, was ich mir da so bestellt hatte. Immerhin gab es 5 Sorten Kebab auf der Karte, alle mit mehrzeiliger finnischer Beschreibung. Ich wurde nicht enttäuscht, die Portion war dem Preis durchaus angemessen. Es war ein in dünnen Teig eingerolltes Kebab von 8-10 cm Durchmesser und einer Länge von 60 cm. Das entspricht ungefähr 4 Dönern, wenn man sie in Deutschland bestellt! Ich habe nach 45 cm aufgegeben. Es war das erste Mal, dass ich auf dieser Tour im Restaurant nicht aufgegessen habe. Zum Glück hat das das Wetter nicht negativ beeinflusst, denn es blieb den Rest des Tages über trocken.

Der landschaftliche Höhepunkt kam kurz danach, als der Weg an einem Fluss entlang durch eine Schlucht führte. Hier stand auch eine Bank, auf der ich gleich nochmal Pause machte. Mit Füße hochlegen, Blick auf eine alte Staumauer und dem Rauschen eines Wasserfalls als Begleitung. Herrlich!

Wir sind wieder auf einem Zeltplatz und haben diesmal eine Hütte in normaler Größe. Gleich nach der Ankunft habe ich die Reifen von Vorder- und Hinterrad getauscht. Der Continentalreifen zeigt nach 1500 km am Hinterrad bereits deutliche Abnutzung, während der Schwalbe Marathon nach über 6000 km am Vorderrad noch wie neu aussieht. Ich glaube, dass damit beide Reifen bis zum Schluss der Tour durchhalten können. Außerdem ist der breitere Reifen jetzt hinten, das macht mehr Sinn.

Montag, 19. Juli 2010

Tag 70: Vaasa - Seinäjoki, 114 km

Der Morgen begann heute mit einem Ungeschick: Beim Anziehen habe ich mir die Brille von der Nase geschleudert und dabei ist ein Glas zu Bruch gegangen. Wenn das der einzige Unfall auf dieser Tour bleibt, dann soll es mir recht sein. Das lässt sich in Tampere schnell reparieren und eine Ersatzbrille habe ich auch dabei.

Die Strecke war heute sehr flach und führte die meiste Zeit am Fluss Kyrönjoki entlang. Bei Helsingby konnte ich eine Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert fotografieren.
Etwas weiter gab es eine hölzerne Fähre zu einer Gastwirtschaft auf einer Badeinsel.
Und noch ein paar Kilometer weiter durfte ich Finnlands älteste noch in Betrieb befindliche Hängebrücke leider nicht benutzen, weil sie gesperrt war.
An einer Straßenkreuzung hat jemand Finnland en miniature auf einem Felsen aufgebaut, warum wohl? Auf jeden Fall war es hübsch anzusehen.
Antje hat unterdessen das Unterkunftsangebot in Seinäjoki genauestens untersucht. Die Jugendherberge war nicht dort, wo sie auf der Karte eingezeichnet war. Das ergab dann viele Gespräche mit freundlichen und hilfsbereiten Finnen, die übersetzten und Telefonate für sie führten. Am Ende hat sie sich jedoch für eine besonders günstige Hütte auf dem Campingplatz entschieden. Das Raumangebot in dieser Hütte passt auch sehr gut zum Preis, immerhin beträgt die lichte Höhe der Eingangstür fast 1,20 Meter!
Innen kann ich in der Mitte aber jedenfalls noch stehen:

Sonntag, 18. Juli 2010

Tag 69: Vaasa, Ausflug ins Kvarken-Gebiet

Gestern abend haben wir uns den Film "Kautokeino-opprøret" auf unserem mobilen DVD-Player angesehen. Wirklich ein sehenswerter Film mit einer traurigen Geschichte, die in Kautokeino, Karesuando und Alta spielt.

Bei der Planung des heutigen Tages hat uns der folgende Text im Internet vom Besuch des ostbottnischen Museums abgehalten: "The mosquitos are buzzing in the insect room, ...". Stattdessen haben wir das Kvarken-Gebiet mit dem Auto und zu Fuß erkundet. Hier werden Finnland und Schweden in ca. 2500 Jahren zusammenwachsen, denn die Erdkruste steigt hier jedes Jahr um ca. 8 Millimeter an. Sie beult damit die Delle aus, die der 3 Kilometer dicke Eispanzer bei der letzten Eiszeit durch sein Gewicht in sie hineingedrückt hat.
Die Anfahrt ging über die längste Brücke Finnlands, bei der man von oben eine herrliche Aussicht über die Schären hat.
Wir sind dann zu einem Fort gefahren, von dem aus die Hafeneinfahrt von Vaasa mit Kanonen geschützt wurde. Immerhin bestand die Einrichtung bis zum Jahr 2000, davon war aber fast nichts mehr zu sehen. Stattdessen fanden wir einen einsamen Strand vor, an dem ich schwimmen konnte. So richtig mit vielen Wellen, denn es war windig heute.
Hier hat Antje auch mit ihrem postmodernen neuen Trinkgefäß für ein Foto posiert. Sie hat gewettet, dass Jana und Beke wissen, was das für ein Teil ist. Da habe ich natürlich locker dagegen gehalten, denn so etwas habe ich bei meinen Töchtern noch nie gesehen ...
Überhaupt gibt es in Finnland merkwürdige Sachen und jeder Besuch im Supermarkt lädt zu einem kulinarischen Abenteuer ein. Heute haben Antje und ich Lakritz-Eis ausprobiert und stellten fest, dass es gar nicht einmal so schlecht schmeckt, wie es sich anhört. Jedenfalls schmeckte es deutlich besser als die Lakritzrolle, die mit Pferfferminzpaste gefüllt war ...
Ein wenig haben wir uns dann noch die Innenstadt von Vaasa angesehen. Weil es hier einmal ein großes Feuer gab, hat man die Stadt mit breiten Alleen als Brandschutz wieder aufgebaut. Dadurch wirkt die Stadt sehr großzügig angelegt.
Und eine Freiheitsstatue haben sie hier auch ...

Samstag, 17. Juli 2010

Tag 68: Oravais - Vaasa, 78 km

Heute knallte schon morgens die Sonne vom Himmel und es war klar, dass es ein heißer Tag wird. Der Weg aus dem Radreiseführer machte ganz schön viele Schleifen, um die E8 zu vermeiden. Die Strecke war sehr schön und auch die vielen Sandwege waren gut zu befahren.

Nach zwei Pausen an Supermärkten (da kann man sich Eis und kühle Cola kaufen!) kam ich schließlich nach Vaasa und bemerkte als erstes den Wasserturm. Leider darf man ihn wohl nicht besteigen ...

Nicht weit vom Zentrum kommt man auf eine Insel mit Badestrand. Welche Großstadt hat das schon: 800 Meter Fußweg vom Zentrum zum Strand! Wir werden den Strand morgen sicher ausprobieren!

Unsere Unterkunft ist die Jugendherberge, die nur eine Insel weiter liegt. Hier werden wir zwei Nächte bleiben und uns morgen Vaasa ansehen.

Freitag, 16. Juli 2010

Tag 67: Jakobstad - Oravais, 66 km

Gestern Abend habe ich noch eine Sportart im Internet recherchiert, die hier groß im Fernsehen übertragen wird: Pesäpallo. Ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört, dabei ist Deutschland Vizeweltmeister in dieser Sportart. Weltmeister war bisher selbstverständlich immer nur Finnland.

Für heute war Regen und Gegenwind angesagt - beides blieb zum Glück aus. So konnte ich die Strecke, die sehr schön abseits der Hauptstraße geführt war, flott durchradeln. Am Zeltplatz musste ich sogar auf Antje warten!

Antje war nämlich wieder einmal in einem Museum. Dieses Museum drehte sich um die Themen Arktis und Grönland und ist aus einer umfangreichen Privatsammlung entstanden. Am liebsten hätte Antje sich noch in die Videothek vertieft, aber dafür reichte die Zeit nicht.

Wir sind hier in Oravais und das ist der schwedische Name des Ortes. Alles ist hier zweisprachig in Schwedisch und Finnisch ausgeschildert. Weil hier - wie in Jakobstad - überwiegend Schwedisch gesprochen wird, steht der schwedische Text jeweils oben (in Kokkola war es andersherum).

Hier fand im Jahre 1809 die letzte Schlacht des Krieges zwischen Schweden-Finnland und Russland statt. Direkt am Schlachtfeld steht heute ein großes Denkmal. Nach diesem Krieg wurde Finnland übrigens ein autonomes Großherzogtum im russischen Zarenreich.
Unser Zeltplatz ist sehr klein und auf keiner Karte verzeichnet. Wir sind bisher auch die einzigen Gäste hier. Das Geld wird in der Kaffeestube verdient, denn dies ist gleichzeitig ein Rastplatz an der E8. Als Attraktion hat man hier einen Stein-Park aufgebaut mit über 100 Gesteinsexemplaren, die nach Alter angeordnet sind.
Dieser Stein glitzerte so schön. Wenn wir gedurft hätten, hätten wir ihn für Dörte mitgenommen ...

Donnerstag, 15. Juli 2010

Tag 66: Kokkola - Jakobstad, 47 km

Heute früh haben wir beschlossen, noch einen weiteren Schiffsausflug zu unternehmen. Praktisch direkt neben unserem Zeltplatz fuhr die MS Jenny los, um die Leuchtturminsel Tankar anzulaufen.
Der Leuchtturm wird dort immer noch verwendet, seit 1960 aber mit elektrischem Licht. Er ist mit 27 Metern nicht sehr hoch, wegen der exponierten Lage der Insel soll er allerdings 50 km weit zu sehen sein.
Außer dem Leuchtturm gab es ein Mini-Museum über den Seehundfang, eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, eine Lotsenstation und eine echte Cafeteria auf der Insel. Das alles wurde uns sogar auf Englisch von einem Crew-Mitglied erklärt.
Das Schiff war erst kurz nach 17 Uhr wieder in Kokkola, deshalb bin ich heute sehr spät gestartet. Bei strahlendem Sonnenschein war der kühlende Abendwind sehr angenehm und die Kilometer flogen nur so dahin. Die Strecke führte über die Sieben-Brücken-Straße, was mich natürlich an den Sieben-Hügel-Weg bei Nimwegen erinnerte. Ein wenig traurig bin ich schon, dass ich nächste Woche die 4-daagse nicht mitlaufen kann. Aber alles geht halt nicht!

Ich habe jetzt diese schöne Schären-Landschaft sowohl vom Schiff als auch vom Fahrrad aus gesehen. Zumindest habe ich nun einen Eindruck davon, was ich verpasse, wenn ich den Schärengarten bei Turku nicht besuche. Das Russlandvisum setzt aber feste Termine und deshalb kann ich meine Pläne nicht ändern. Vielleicht kamme ich ja an den spielfreien Tagen während des Kongresses dorthin?