Mittwoch, 16. Juni 2010

Tag 37: Kautokeino - Solovomi, 84 km

Der mitgenommene DVBT-Empfänger nützt mir in Norwegen gar nichts. Beim Sendersuchlauf findet er zwar 32 Sender, kann aber keinen einzigen davon anzeigen. Anscheinend braucht man hier einen speziellen Decoder, den man auch erst kaufen kann, wenn man die norwegischen Fernsehgebühren bezahlt hat. In der Rezeption konnten wir das Brasilien-Spiel aber in HD-Qualität auf einem riesigen Fernseher verfolgen.

Heute Nacht konnte ich endlich ein Foto von der Mitternachtssonne machen, denn das Wetter war klar und es waren keine Berge am nördlichen Horizont.
Die Landschaft hat sich schon wieder total verändert: Der Alta-Fluss hat ein tiefes Tal gegraben, dem die Straße mehr oder weniger folgt. Insgesamt geht es dadurch ein wenig mehr auf und ab, aber es gab nur eine richtige Steigung von ca. 150 Höhenmetern, als die Straße das Tal wieder verlässt. Unterwegs hat Dörte an einem wunderschönen Wasserfall einen Cache gefunden.
Hier befinden wir uns eigentlich im Nirgendwo: 85 km hinter Kautokeino und 45 km vor Alta. Wir hatten bei der Planung hier wildes Campen vorgesehen, aber Jörgs Karte zeigte eine Art Hotel und dies gibt es wirklich. Wir haben hier ein Zimmer mit Kanonenofen, müssen zum Klo allerdings ins Nachbarhaus gehen.

Zum Schluss muss ich noch ein Plädoyer für die Bundfaltenhose halten: Liebe Modeschöpfer, macht doch bitte wieder Hosen mit Bundfalten! Nur diese sind bequem und gut zum Radfahren geeignet! Was mit einer neuen Jeans ohne Bundfalten nach 3500 km auf dem Fahrrad passiert, könnt Ihr auf dem Foto sehen: Die Bundfalten kommen von selbst ...

Dienstag, 15. Juni 2010

Tag 36: Enontekiö - Kautokeino, 79 km

Heute kommt erst einmal Dörte zu Wort:
Fakten, Fakten, Fakten: Zunächst einmal reichen die Famila-Wohlfühlsocken nicht aus, um meine Füße warmzuhalten, wenn wir bei 6 Grad draußen frühstücken. Es hat aber den Vorteil, dass man die Kühlkiste offen lassen kann, um die Kälte einzufangen.
Chemisch Versierte können ausrechnen, wie kalt es nachts war, denn die Flüssigseife (Fa Hygiene und Frische mit Limettenduft) kam in Stückchen aus dem Spender. Unter den Bettdecken war es aber relativ gemütlich, denn wenn man vor Kälte aufwacht, kann man immer einen Fön-Wärmestoß nachlegen.

Heute hatte das Nüvi-Navi nur wenig zu tun: "Fahren Sie 150 Meter, dann links abbiegen, 300 Meter, dann rechts abbiegen, fahren Sie 79 Kilometer, Sie haben Ihr Ziel erreicht." Nur wenn man kurz zum Supermarkt abfährt, ist Nüvi irritiert und versucht eine Neuberechnung. Auf dem Weg passierte nicht viel - ein kleiner Schnack mit dem Grenzbeamten, ein Wundern über die alte Finnin, die mit ihrem Rollator die Straße entlangschob, meilenweit entfernt von jeglicher Zivilisation, ein größeres Wundern über die Ähnlichkeit zwischen Jan und dem Lappen auf dem Wappen (siehe Foto) und der gelungene Einkauf von norwegischen Prepaid-Karten.
Was kann ich noch ergänzen:
Beim Cachen heute früh habe ich festgestellt, dass die gestrichelten Linien auf der Karte im Navi einfach alles bedeuten können: Breite asphaltierte Straße, Schnee-Scooter-Piste oder wie heute eine Ski-Abfahrtspiste. Mit dem Fahrrad nicht zu machen, da musste ich zu Fuß rauf.
Die Strecke verlief durch eine andere Landschaft als bisher: Statt der endlosen Wälder gab es jetzt bis zum Horizont Sumpfflächen mit niedrig wachsenden Birken. Die in der Ferne sichtbaren Hügelketten umschiffte die Straße elegant und kam mit relativ wenig Steigungen aus. Wir haben hier eine Höhe von ca. 350 Meter und ich bin gespannt, ob es morgen noch mal richtig in die Berge geht.

Dörte hat hier eine Hütte gemietet - nicht so luxuriös wie die Hütten, die es gestern gegeben hätte, aber immerhin mollig warm.

Die Radfahrer von gestern sind Jörg und André aus Spremberg, die auch über ihre Erlebnisse bloggen ( http://operationnordkap.wordpress.com/ ). Wir sind zwar nicht zusammen gefahren, übernachten aber wieder auf demselben Zeltplatz und werden uns sicher noch häufiger sehen.

Montag, 14. Juni 2010

Tag 35: Vuontispirtti - Enontekiö, 66 km

Heute hatten wir nicht so ein Kaiserwetter wie die letzten Tage. Es war bedeckt und gelegentlich nieselte es - aber alles noch sehr erträglich bei Temperaturen um die 10 Grad. Als ersten Treffpunkt hatten wir heute einen Cache bei Kilometer 15 ausgemacht. Dieser Cache war seit Oktober 2009 nicht mehr gefunden worden und ausgerechnet heute war noch ein weiteres Cacher-Paar aus Finnland hier auf der Suche.

Nächster Treffpunkt war Enontekiö, wo wir einen ausgiebigen und preiswerten Lunch in einem Restaurant zu uns nahmen. Etwas spontan haben wir uns entschlossen, diese Nacht in Enontekiö zu bleiben. Dadurch kann ich in 3 statt 2 Etappen nach Alta fahren und die Kilometer verteilen sich gleichmäßiger auf die Tage.

Hier trifft man jetzt vermehrt auf Nordkafahrer: Auf dem Supermarkt-Parkplatz waren wir 3 Wohnmobile und auf dem Zeltplatz trafen wir 2 weitere Radfahrer, die am 17. Mai in Cottbus gestartet sind. Ich werde mir nachher noch einmal ihre Karten für den norwegischen Teil der Strecke ansehen.
Jetzt sitze ich im Auto und sehe mir das Spiel Japan-Kamerun an. Und Dörte wärmt das Auto mit dem Fön.
Morgen geht es nach Norwegen, dann wird es schwer mit dem WM-Gucken, denn die Übertragungen laufen wohl nur im Bezahlfernsehen. Und eine neue SIM-Karte für den Internet-Zugang brauche ich auch. Ob es die wohl in Kautokeino zu kaufen gibt?

Sonntag, 13. Juni 2010

Tag 34: Ylläsjärvi - Vuontispirtti, 100 km

Heute morgen hat Dörte mit mir den Berg Ylläs bestiegen. Das war ganz schön anstrengend für sie und ich konnte sie nur mit dem Versprechen, nächstes Jahr eine Pauschalreise zu machen, zum Weitergehen bis zum Gipfel bewegen. Die Aussicht oben war phantastisch!

Auf dem Weg zum Gipfel sind wir auch an Schneefeldern vorbeigekommen. Jetzt hat Dörte also auch ihren Schnee gehabt!
Das Ganze hat ziemlich lang gedauert und so hatte ich um 14 Uhr immer noch 85 km zu fahren. Zum WM-Spiel bin ich aber rechtzeitig angekommen. Wir übernachten hier im Auto vor einer Jugendherberge und können deren Einrichtungen benutzen, was uns nur 8,40 EUR kostet.

Samstag, 12. Juni 2010

Tag 33: Pello - Ylläsjärvi, 116 km

Gleich am Ortseingang von Pello steht eine Statue für seinen berühmtesten Einwohner: Eero Mäntyranta, mehrfacher Olympiasieger im Langlauf. Offensichtlich bekommt er jedes Jahr eine neue Mütze!
Eigentlich wollte ich heute nur ca. 90 km bis Kolari radeln, aber dort gab es entgegen den Angaben auf der Karte und im Internet keinen Zeltplatz. Dörte hätte für 57 EUR eine Hütte mieten müssen und hat es vorgezogen, mich 25 km weiter radeln zu lassen. Daran seht Ihr schon, dass es mit den Temperaturen ganz gut steht, wenn sie lieber im Auto schlafen will. Ich muss aber noch erwähnen, dass sie mich per Telefon vorher gefragt hat, ob ich die zusätzlichen Kilometer auch schaffe.

In Ylläsjärvi hat sie dann aber auch keinen Zeltplatz gefunden und wir übernachten jetzt doch in einer Hütte. Für 60 EUR, aber dafür auch Luxusklasse und nicht billiger Camping-Standard. Wir sehen im Fernsehen vor dem WM-Spiel gerade das Halbfinale des finnischen Tango-Gesangswettbewerbs. Das ist hier wichtiger als DSDS in Deutschland!
Vor der Hütte haben wir einen wunderbaren Ausblick auf den Berg Ylläs. Er ist 718 Meter hoch und wirkt auf mich ein wenig wie der Brocken im Harz.

Freitag, 11. Juni 2010

Tag 32: Överkalix - Pello, 111 km

Dörte hat heute früh festgestellt, dass die ganze Stadt Överkalix den Abschluss des Schuljahres feiert. Überall gab es Musik und alle Häuser waren mit Fähnchen geschmückt.

Die Wärterin des Zeltplatzes gab uns den Tipp, in Kattilakoski Mittagspause zu machen. Dort gibt es wunderschöne Stromschnellen des Grenzflusses zu Finnland zu sehen.
Beim Mittagessen im dortigen Restaurant beobachteten wir einen Mann, der in Wathose an so einer Art Buhne herumwerkelte. Wir fragten ihn, wozu das da sei: Es ist eine elektronische Lachszählanlage und die Buhnen sollen verhindern, dass die Lachse daran vorbeischwimmen.
Wenige Kilometer weiter haben wir dann den Polarkreis überschritten und ich musste eine Polartaufe über mich ergehen lassen.
Hier lag auch ein thematisch passender Cache, den wir auf dem Weg zum Nordkap nicht auslassen konnten.

4 Kilometer weiter nördlich fing dann mein Navi an zu spinnen: Es hat wohl berechnet, dass die Sonne jetzt schon aufgeht, wenn sie noch gar nicht untergegangen ist. Also war der letzte Vorgang aus Sicht des Navis ein Sonnenuntergang und folglich schaltete es mitten am Tag auf den Nachtmodus um. Wer hat so etwas nur programmiert!

Der erste Eindruck von Finnland war: Hier verstehst Du ja gar nichts mehr! Das kann ja heiter werden! Auf dem Zeltplatz angekommen, habe ich als erstes den Fernseher in Betrieb genommen. Gerade noch rechtzeitig für den mexikanischen Ausgleich zum 1:1 im Eröffnungsspiel.
Der Zeltplatz ist hauptsächlich für Angler angelegt. Einer von ihnen hatte gerade einen 6-Kilo-Lachs gefangen und Dörte hat interessiert beim Ausnehmen zugeschaut.
Ein kurzer Ausflug mit dem Rad in die Stadt zeigte uns, dass hier sehr wenig los ist. Wir haben immerhin unsere finnischen SIM-Karten kaufen können, auch wenn wir dazu Gesten und Handzeichen einsetzen mussten. Nicht jeder Verkäufer spricht hier Englisch!

Im Moment sitze ich gerade über dem Rätsel, wie ich die Prepaid-Karten wohl mit den gekauften Vouchers aufladen kann. Man kann die "subscription language" zwar auf Englisch umstellen, die meisten SMS vom Provider kommen trotzdem auf Finnisch...

Donnerstag, 10. Juni 2010

Tag 31: Boden - Överkalix, 121 km

Heute lagen keine größeren Orte auf der zweiten Hälfte der Strecke, deshalb haben wir uns schon nach 40 km zur Mittagspause verabredet. Das war das erste Mal, dass ich vor Dörte beim Treffpunkt war. Etwa bei Kilometer 60 habe ich den Sverigeleden verlassen und bin auf Straßen gefahren, die in meiner Karte dick und rot eingezeichnet waren. Immerhin waren 20 von den 60 Kilometern asphaltiert!
Auf diesem Teilstück habe ich endlich auch die ersten frei laufenden Rentiere gesehen. Irgendwie hat man dann das Gefühl, richtig in Lappland angekommen zu sein.
Das Wetter ist so schön, dass wir es uns gar nicht besser wünschen können. Trotzdem habe ich einen Fehler begangen: Ich habe Dörte von dem letzten Eintrag von TheLongWalk.de berichtet. Dieser Blogger ist auch mit dem Fahrrad zum Nordkap gefahren und wandert jetzt zurück nach Hamburg. Zurzeit steckt er im Schnee im norwegischen Gebirge fest und seitdem fragt mich Dörte, was wir denn bei Schnee machen. Noch lache ich darüber, wir haben ja Juni.

Eben sind wir noch einmal Essen gegangen: Ich habe meine Salamipizza bekommen und Dörte hat Rentierfleisch probiert. Etwas streng, aber durchaus lecker!
Das Getränk hielt Dörte übrigens für Wein - in Wirklichkeit war es eine Limonade aus Apfel- und Traubensaft, die annähernd nach Sprite schmeckte. Bäh!